Was Werder jetzt noch tun kann

Abstiegskampf erfordert tolle Maßnahmen und echte Kerle. Und gute Ideen. Was Werder Bremen jetzt machen muss, um doch noch in der Bundesliga zu bleiben.

  • Dicht machen (gegenüber den Medien, nicht hinten)
  • Mehr Training, vor allem: intensiver!
  • Mehr Geheimtraining
  • Grimmige Gesichter machen
  • Youtube-Videos aus besseren Tagen posten
  • Klare Ansagen („Charaktertest“, „Finale“, Schicksalsspiel“)
  • Noch mehr Geheimtraining
  • Thomas Schaaf als Trainer in Stuttgart oder Frankfurt installieren
  • Vorvorläufige Kader mit 26 Spielern nominieren
  • Die Einstellung der Mannschaft im Training loben („Total fokussiert!“)
  • Einen Spieler wegen schlechter Einstellung suspendieren (z.B. Pavlovic)
  • Die Mannschaft starkreden („Die kann echt gut kicken!“)
  • Die Medien kritisieren
  • Vorläufigen Kader mit 20 Spielern erst drei Stunden vor Anpfiff nominieren
  • Spontantrainingslager oder Mannschaftsabend (Bowling!)
  • Total fokussierte Gesichter machen
  • An die Fans appellieren
  • Sich betont optimistisch geben („Mannschaft hat gut trainiert!“)
  • auf den Zufall vertrauen

Oder aber: Verteidigen. Richtig verteidigen.

Alles so rot im Tabellenkeller

Werders Restprogramm im heißen Abstiegskampf der Bundesliga ist ein Traum. Wer als 16. noch Heimspiele gegen den 15. und 17. hat, der hat alles selbst in der Hand. Das will man so haben – aber will Werder das wirklich so haben. Schauen wir mal.

bundeligawerder

Diese Tabelle ist nicht nur recht häßlich, sie hat auch eine gewisse Aussagekraft. Werder Bremen hat gegen die Teams auf den Plätzen 3 bis 8 mehr Punkte geholt (16) als gegen die „Nachbarn“ auf den Plätzen 9 bis 18. Das ist nicht gut, aber Realität.

Die letzten beiden Heimspiele gehen gegen den VfB Stuttgart und Eintracht Frankfurt – nicht gerade das Klientel, gegen das die Bremer bislang gerne auf dem Rasen standen. In der Hinrunde gab es gegen diese drei Gegner zumindest keinen Sieg. Werder muss also auch diesen Trend im Saison-Finale noch stoppen und umdrehen – sonst war es das mit Bundesliga.

Der Kapitän blickt durch

Nach dem kuriosen Auftritt von Trainer Viktor Skripnik nach dem 1:2 im Nordderby („So ist Fußball!“) konnte man durchaus mal den Glauben an Werder Bremen verlieren. Clemens Fritz aber gibt sie mir zurück.

Der Kapitän hat im Kicker (und wahrscheinlich auch anderswo, aber im Kicker habe ich nun mal gelesen) schlaue Dinge über die Niederlage gesagt. Also Dinge, die sein Trainer nicht sagt, weil er lieber über andere Sachen spricht. Positive Dinge. Fritz ist dann offenbar der Bad Cop.

„Bei den Gegentoren hat uns total die Ordnung gefehlt. Wir waren in der Rückwärtsbewegung nicht gut, im Zweikampfverhalten, das ist eine Vielzahl von Fehlern, die wir gemacht haben. Da müssen wir uns nicht wundern.“

Ist jetzt sicher nicht nobelpreisverdächtig, aber durchaus sinnvoll, diese Wortmeldung. Man muss sich nämlich wirklich nicht wundern, mit Wundern hat das auch alles nichts zu tun, auch nicht mit Glück oder Pech (jedenfalls nicht mehr als alles eben immer mit Glück und Pech zu tun hat). Das ist alles hausgemacht bei Werder Bremen – und nur der Verein selber kann das ändern. Und ja, sowas lässt sich ändern.

Der Kicker schreibt dann noch etwas:

„Bei aller spielerischen Qualität, bei aller vorhandenen Leidenschaft – in den letzten drei Ligaspielen dürfte Cleverness zur entscheidenden Tugend werden.“

Auch das ist ein halbwegs kluger Satz, der mir aber große macht.Denn in Sachen Cleverness ist Werder Bremen schon lange auf Zweitliga-Niveau. Leider wird der Satz wohl tatsächlich stimmen.

 

Gegentore als Gottesurteile

„In der zweiten Halbzeit habe ich nur eine grün-weiße Mannschaft gesehen. Was genau in der ersten Halbzeit war, weiß ich auch nicht. So ist Fußball. Wir hatten Chancen für zwei, drei Spiele, machen aber die Tore nicht.“

Das Zitat nach dem erschreckenden Bremer 1:2 beim Hamburger SV am Freitagabend stand nicht etwa von mir oder einem zufälligen Thekengast in der Sky-Kneipe (dort wäre es ein angebrachter und erlaubter Fan-Diskussions-Beitrag gewesen), sondern von Werder-Trainer Viktor Skripnik.

„So ist Fußball“, der kurze Satz ist einfach der beste Trainer! „That’s life“ hätte Skripnik ebensogut sagen können. Was soll man machen? Da kann man nix machen! Als seien Niederlagen und Gegentore Gottesurteile, die man so hinnehme müsse, höhere Gewalt der Natur, unvermeidbar, einfach Pech gehabt, muss man eben durch. Eine recht ungewöhnliche Einstellung für einen Bundesliga-Trainer, der eigentlich am Erfolg der Mannschaft arbeiten sollte.

Bei Skripnik heißt das seit Wochen: „Die Mannschaft kann Fußballspielen!“ Was seit Wochen auch niemand bestreitet. Über die Gründe für den Bremer Misserfolg und Platz 16 drei Spieltage vor Saisonende hat Skripnik nur zu sagen: So ist Fußball, weiß auch nicht, warum. Man kann das bedenklich nennen, oder aber den Werder-Weg. Semantisch ist man da frei.

Das Spiel in Hamburg war das wahre Gesicht von Werder Bremen, eine Saison eingedampft auf 90 schmerzhafte Minuten, im Guten wie im Schlechten. Mit dem Ergebnis: Am Ende hat die Mannschaft immer ein Problem zu viel, um erfolgreich zu sein. Es geht nicht darum, ob das Team nun gut, sehr gut oder mittelgut kicken kann, wenn Wetter, Platzverhältnisse, Gegner, Schiedsrichter und Fußballgott mitspielen. Es geht darum, Punkte in der Bundesliga zu sammeln. Was Werder nicht ausreichend tut.

Und die Bremer Probleme sind Woche für Woche identisch: Einfache Gegentore, schläfrige Anfangsphasen, frühe Rückstände, Angst bei einer Führung. Eine Entwicklung zum Besseren ist nicht erkennbar, von Lerneffekt in der Mannschaft keine Spur. Aber wie auch, wenn es beim Trainer unter „So ist Fußball“ abgespeichert wird, quasi als notwendiger Bestandteil des Spiels und damit nicht als spezifisches Problem?

P.S: Der Text ist kein Plädoyer für einen Trainerwechsel. Ich habe keine Ahnung, ob das eine sinnvolle Maßnahme wäre oder nicht.

Und noch ein Nachtrag: Am 25. April , zwei Tage nach diesem Post, hat auch der Weser-Kurier einen Text zu diesem Thema verfasst. Da steht auch viel mehr Zeilen in etwa thematisch das selbe drin.