Werder, endlich reduziert

Man kann Werder Bremen nun wirklich nicht vorwerfen, im Vorfeld des Heimspiels gegen Stuttgart nicht ausreichend Maßnahmen aus dem Katalog des symbolischen Handelns ergriffen zu haben. Nahezu alle Register wurden gezogen, inklusive Spontan-Trainingslager in Verden – was für mich eher wie eine Entschuldigung für einen möglichen Abstieg klingt, aber gut, das ist  (trotz Panne) natürlich Quatsch. Dennoch: Völlig unerheblich, was Werder unter der Woche alles so gemacht oder nicht gemacht hat. Es geht nur noch um 90 Minuten Fußball, oder genauer: Um ein Endergebnis nach diesen 90 Minuten.

Die aktuelle Situation vor dem Heimspiel gegen den VfB ist doch sensationell! Niemand in der Liga tut Werder einen Gefallen, den muss Werder sich am Montagabend selbst tun. Anders als in den letzten Jahren, als ein Abstieg des Hamburger SV vor allem deshalb verhindert wurde, weil sich der Klassenerhalt in den letzten Spieltag als echtes Schneckenrennen entpuppte, sind aktuell eigentlich alle Keller-Klubs hellwach und auf der Flucht nach vorne – mit beachtlichen Erfolgen. Vor drei Wochen stand der Relegationsplatz noch bei 28 Punkten, jetzt sind es schon 33. Wer jetzt nicht voll da ist, steigt eben ab. Und das zurecht.

Es ist fantastisch für Werder Bremen, wenn auch extrem spannend und nervenaufreibend: Man hat alles selbst in der Hand und kann jetzt beweisen, dass man den Klassenerhalt verdient hat. Trotz aller Mängel, Probleme, Rückschläge: In nur drei (Final-)Spielen kann Werder all die Argumente nachliefern, die man bislang schuldig geblieben ist. Oder eben nicht. Die aktuelle Situation ist mir allemal lieber als ein weiteres wochenlanges permantes Wiederholen der immergleichen Sätze über den guten Fußball, den das Team doch spielt oder über die Qualität, die doch für einen Abstieg fiel zu hoch sei. Alles wird jetzt reduziert auf bloße Ergebnisse: Endlich, möchte man als Werder-Fan da sagen.

Ist diese Haltung jetzt sehr unsentimental für einen Fan? Vielleicht. Aber nach Jahren des immergleichen rumwurschtelns, nach Jahren ohne Fortschritt und mit permanentem Substanzverlust, entwickelt man eine andere Einstellung. Aber natürlich wünscht man sich noch immer, dass der Verein all das eigene Gerede einfach mal eben an die Wand nagelt – gegen Stuttgart, Köln und Frankfurt. Könnte ich gut mit leben, besser als mit dem Abstieg.