Der lässige Herr Baumann und die Talente

Bevor es bei Werder Bremen bald wieder mit dem ganzen Saisonvorbereitungstrubel losgeht, will ich mal ein paar Worte über Frank Baumann loswerden. Ich gehöre ja zu den in ihrer Menge mir prozentual nicht bekannten Werder-Fans, die über seine Ernennung zum neuen starken Mann im Verein nicht gerade gejubelt haben. Da ist es nur fair, jetzt noch etwas zu sagen, mit dem gebotenen zeitlichen Abstand, den man ja immer braucht, um nicht gleich das erstbeste Dumme, sondern das zweitbeste Dumme aufzuschreiben.

Die Trennung von Thomas Eichin hielt ich damals für ein falsches Signal, auch wenn ich kein klassischer Eichin-Fan war und bin. Ich würde ihm als Sportchef bei Werder aber dennoch eine ordentliche Note geben, mindestens ein „befriedigend“ mit Tendenz zum „gut“. Schon dass er ein „Externer“ war und immer mal den Konflikt gesucht oder auch gesetzt hat, war irgendwie angenehm. Das kannte man ja so gar nicht mehr. Mich hat das zudem bestens unterhalten. Ihn zu entlassen ist angesichts einer Saison, in der der Klub fast abgestiegen wäre, kein echter Paukenschlag und ohnehin das gute Recht von Werder. Da bin ich nicht zustimmungspflichtig, da wurde ich nicht gefragt, da kann ich aber am Ende auch mit leben. Muss ich ja sowieso.

Max Kruse als Damoklesschwert über dem Weserstadion

Nun also Baumann. Und der hat gleich etwas anders gemacht, das mich unter Eichin nahezu wahnsinnig gemacht hat. Baumann macht zumindest den Eindruck, den Kader schnellstmöglich aufräumen und deutlich klarer gestalten zu wollen. Das hat Eichin so nicht hinbekommen, zumindest nicht stringent. Der Kader war immer zu groß, die Talentregelung unklar und nicht zielführend. Ich hatte immer den Eindruck, Eichin habe panische Angst, sich von einem Spieler zu trennen, der danach irgendwo anders halbwegs unfallfrei kickt und man Eichin dann die Frage stellt: „Haben Sie da schon wieder ein Talent verkannt in Bremen, Herr Eichin?“

Ja, das sind die Spätfolgen von Max Kruse oder Martin Harnik, die nicht totzukriegenden Mythen, die wie ein Damoklesschwert über den Weserstadion schweben und bei jedem Transfergerücht immer schon mitgedacht werden. Dabei ist das ganz normal, dass mal ein Talent hier nicht und anderswo doch zündet, dass ein Sportchef mal etwas übersieht oder falsch einschätzt, damit muss und kann man auch prima leben. Wer damit Bauchschmerzen hat, kann ja mal all die Dominik Schmidts, Florian Trinkse und Kevin Schindlers der letzten zehn Jahre gegenrechnen. Nur mal so zum Spaß. Und das ist auch kein Werder-Phänomen, sondern betrifft mindestens nahezu alle Profiklubs der Welt.

Ja, Nein, vielleicht – entscheiden Sie später!

Diese Grundpanik ging bei Eichin ja so weit, dass er sich bei verkauften Talenten immer noch eine Rückholoption gesichert hat, um ein endgültiges „Ja“ oder „Nein“ über die Entwicklung solange zu vertagen, bis es auch die Blinden sehen. So hat er nun jedes Jahr einen Füllkrug oder Wurtz auf Wiedervorlage und kann entscheiden, ob man nun doch an das Talent glaubt oder eher doch nicht. Das ist wirtschaftlich sicher nicht dumm, aber irgendwie kann ich damit nichts anfangen. Das aber nur am Rande.

Mit seiner frühen Aussage, den Kader deutlich verkleinern zu wollen, hat Baumann im Grunde schon mein Vertrauen gewonnen. Ja, so einfach ist sowas bei mir. Auch, dass er nicht immer die U23 anführt, um aufgeblähte Aufgebote mit über 60 Kickern zu rechtfertigen, ist erfreulich. Und Baumann hat auch Taten folgen lassen mit Vertragsverlängerungen und Abgängen und Leihgeschäften. Das ging alles sehr fix und strukturiert und lässt sich zumindest in dieser Hinsicht ordentlich an. Ich bin mir sicher, dass sich da noch einiges tun wird. Als Kaderbastler hat sich Baumann mein Vertrauen schon mal erspielt. Ging recht einfach, das gebe ich zu.

Nun will ich mich gar nicht zu sehr in einem besonders zu dieser Saisonpausenphase grotesk-sinnlosen Eichin-Baumann-Vergleich ergehen. Ich hoffe lediglich, dass Baumann so strukturiert weitermacht wie bisher und den Kader so pointiert an den Start bringt, wie ich ihn mir in all den Nächten der letzten Monate erträumt habe. Mit routinierten Führungsspielern, gestandenen Profis und hoffnungsvollen Talenten. Und diese nicht im Dutzend mit der vagen Perspektive zwischen Bundesliga-Startelf und Drittliga-Joker, sondern nah dran am Team oder eben als Säule in der U23.

Keine Angst vor Fehlern – die werden eh gemacht

Mich beruhigt es irgendwie schon, dass nach der Ausleihe von Marnon Busch zu 1860 jetzt nur noch ein Rechtsverteidiger-Talent im Kader steht (Luca Zander). Ich habe natürlich keine Ahnung, wer von beiden jetzt der heißere Aspirant auf den großen Durchbruch ist, aber ich hielt es immer für doppelt unwahrscheinlich, dass sich einer bestens entwickelt, wenn der andere immer ähliche Ambitionen hat und irgendwo eine Position blockiert. Jetzt dürften beide Spielen – und Busch kommt dann ja ohnehin zurück. Entscheiden Sie später, Herr Baumann!

Ich hoffe auch, dass Baumann weiterhin den Mut und die Lässigkeit (eine Eigenschaft, die ich ihm schon immer irgendwie zugeschrieben habe) besitzt, Talente zu holen und abzugeben und so einzuplanen, wie es sinnvoll ist. Ohne Angst, auch mal daneben zu liegen und sich den Unmut der Kommentatoren zuzuziehen: Der nächste Max Kruse lauert schon, nur wie er heißt, weiß noch keiner! (Auch wenn es nachher sehr viele gewusst haben) Aber ich kann mit einem neuen Fall Max Kruse in Bremen durchaus leben, wenn mir dafür die lange Reihe der Schindlers und Oehrls erspart bleibt. Denn irgendwie hängt das ja zusammen.

Der Kader von Werder Bremen 2016/17

35 Profis hat Werder Bremen aktuell (Stand: 18. Juni) für die Saison 2016/17 unter Vertrag, mit 25 oder 26 will der neue Sportchef Frank Baumann in die Spielzeit gehen, wie er bei seinem Amtsantritt im Mai ankündigte. Da der Transfermarkt noch lange geöffnet ist, ist mit jeder Menge Bewegung zu rechnen, auch bei Werder. Es wird noch Angebote für Leistungsträger geben, zudem muss Baumann Abnehmer für Spieler finden, um den viel zu großen Kader auf seine Wunschgröße zu bringen. Da darf man gespannt sein, wie und ob Baumann das in seiner ersten Saison als Werder-Sportchef gelingt – er ist gleich mal als Kaderplaner gefragt.

Ebenfalls hochinteressant: Gleich 16 Verträge laufen im Sommer aus – vom Talent bis zum Star ist alles dabei. Die anstehende Saison ist für Werder und Baumann damit auch ein großes Spieler-Casting: Wer taugt dazu, den Verein perspektivisch wieder auf einen besseren Kurs zu bringen? Auch hier braucht Baumann (natürlich immer im Zusammspiel mit dem Trainerteam) ein gutes Händchen und jede Menge Mut, Entscheidungen zu treffen.

Ein Überblick über den Stand der Personalplanungen und eine Einschätzung anhand der taktischen Positionen.

Der Werder-Kader 2016/17

Torhüter (5)

Felix Wiedwald (26 Jahre, Vertrag bis 2017)
Raphael Wolf (28 Jahre, Vertrag bis 2017)
Jaroslav Drobny (36 Jahre, Vertrag bis 2017)
Michael Zetterer (20 Jahre, Vertrag bis 2018)
Eric Oelschlägel (20 Jahre, Vertrag bis 2018)

Situation: Wiedwald ist eine solide Nummer eins, dahinter soll Neuzugang Drobny als erfahrener Ersatzmann für Sicherheit sorgen. Wolf ist dauerverletzt, ein Comeback unklar – und eine Zukunft bei Werder ebenso. Dahinter dürfte Zetterer das hoffnungsvollste Talent sein und als Nummer drei und evtl. als Stammkeeper von Werder II in der 3. Liga agieren. Oelschlägel gibt es auch noch, mehr als die dritte Liga ist aber nicht drin.

Einschätzung: Werder ist im Tor quantitativ überbesetzt, zumal bei Werder II auch noch Tobias Duffner (kein Profivertrag) eine wichtige Rolle spielt. Qualitativ ist das in Ordnung, allerdings muss Wiedwald sein Niveau dazu mindestens halten, sich eigentlich aber noch weiter steigern. Das traue ich ihm auch zu. Wie auch immer: Das Tor war, ist und bleibt aber nicht Bremens Problemposition Nummer eins.


Rechtsverteidiger (2)

Theodor Gebre Selassie (29 Jahre, Vertrag bis 2018)
Luca-Milan Zander (20 Jahre, Vertrag bis 2017)

Situation: Mit Gebre Selassie wurde jüngst verlängert, Skripnik setzt voll und ganz auf ihn. Talent Zander ist (wie leider viel zu oft) verletzt und hat noch nicht nachgewiesen, dass er sich in der Bundesliga etablieren kann.

Einschätzung: Ist und bleibt Theo fit, hat Werder hinten rechts keine Sorge. Ein Ausfall wäre aber ein dickes Problem. Baumann weiß das natürlich und wird hier noch tätig werden und einen zweiten Rechtsverteidiger holen. Entweder ein aufstrebendes Talent mit Erfahrung in einer unteren/schwächeren ausländischen Liga, oder einen erfahrenen Mann, der dann Zander nicht blockiert, wenn dieser mal fit wird. Ob Werder aber noch den vollen Glauben an Zanders Durchbruch in der Bundesliga hat, darf bezweifelt werden.


Linksverteidiger (4)

Santiago Garcia (27 Jahre, Vertrag bis 2017)
Janek Sternberg (23 Jahre, Vertrag bis 2017)
Ulisses Garcia (20 Jahre, Vertrag bis 2019)
Leon Guwara (20 Jahre, Vertrag bis 2019)

Situation: Santi Garcia ist die gesetzte Stammkraft, dahinter gibt es gleich drei Herausforderer. Sternberg hat davon die meiste Erfahrung, aber wahrscheinlich das wenigste Talent. Uli Garcia ist auch ein Kandidat für die offensivere Position links, Guwara rückt aus der U23 zu den Profis und verschärft den Konkurrenzkampf noch weiter.

Einschätzung: Vier Linksverteidiger für einen Verein, der nicht international spielt, das ist einfach zu viel. Baumann will und muss den Kader ohnehin verkleinern, also wird er hier noch tätig werden. An Santi Garcia, für den es angeblich Angebote gibt, kann er eigentlich nicht ran (ohne dann noch gleichwertigen Ersatz zu verpflichten), bleiben noch die anderen drei. Ich würde ja für einen Verkauf von Sternberg plädieren, glaube aber nicht, dass Skripnik diese Idee teilt. Wahrscheinlicher: Für Uli Garcia oder Guwara wird noch ein Leihgeschäft eingefädelt, oder aber Guwara bleibt als Fixpunkt in der U23 ohne echte Option nach oben. Das wird sich wohl erst gegen Ende der Vorbereitung klären.


Innenverteidiger (3)

Alejandro Galvez (27 Jahre, Vertrag bis 2017)
Luca Caldirola (25 Jahre, Vertrag bis 2017)
Milos Veljkovic (20 Jahre, Vertrag bis 2019)

Situation: Das Stamm-Duo Vestergaard/Djilobodji ist weg und muss ersetzt werden. Baumann ist auf der Suche, hat aktuell aber auch noch vier Innenverteidiger unter Vertrag.

Einschätzung: Werders größte Baustelle, völlig klar. Schlimm genug, dass man die Klasse von Vestergaard und Djiloboji ersetzen muss – schlimmer noch, wenn das vorhandene Personal dazu irgendwie so gar nicht in Frage kommt. Caldirola hat in Darmstadt zwar gut gespielt, steht bei Skripnik aber – freundlich gesagt – nicht hoch im Kurs und wurde im Vorjahr vom Trainer regelrecht demontiert. Galvez sieht sich selbst zwar als absoluten Top-Verteidiger, hat diese Sicht aber exklusiv und war in seiner Werder-Zeit lediglich ein solider dritter Mann. Mir fehlt die Phantasie, dass das künftig anders werden könnte. Hüsing ist einer für die U23, maximal eine Nummer vier bei den Profis. (Update: Hüsing wurde inzwischen nach Budapest verkauft) Veljkovic könnte durchaus positiv überraschen, könnte aber auch eher im defensiven Mittelfeld eingeplant werden. Könnte, könnte, könnte. So oder so: Baumann muss hier noch zwei Leute holen und beide Transfers müssen auch sitzen. Über einen Verkauf von Galvez, der sich selbst ins Schaufenster gestellt hat und in Spanien offenbar einen guten Ruf besitzt, sollte man ernsthaft nachdenken, auch wenn Baumann dies bislang strikt verweigert. Was sich aber bei einem guten Angebot ändern könnte, da bin ich recht sicher.


Zentrales Mittelfeld (8)

Philipp Bargfrede (27 Jahre, Vertrag bis 2018)
Clemens Fritz (35 Jahre, Vertrag bis 2017)
Florian Grillitsch (20 Jahre, Vertrag bis 2017)
Thanos Petsos (25 Jahre, Vertrag bis 2019)
Lukas Fröde (21 Jahre, Vertrag bis 2017)
Zlatko Junuzovic (28 Jahre, Vertrag bis 2018)
Laszlo Kleinheisler (22 Jahre, Vertrag bis 2019)
Maximilian Eggestein (19 Jahre, Vertrag bis 2018)

Situation: Im 4-1-4-1-System sind hier drei Stammplätze zu vergeben, insgesamt neun Profis bieten sich dafür an (plus evtl. Veljkovic und Yatabare). Vom 19-Jährigen Talent bis zum 35-Jährigen Kapitän ist eigentlich alles dabei – vom „Sechser“ über „Achter“ bis zum „Zehner“.

Einschätzung: Konkurrenzkampf ist ja gut und schön, aber mit dem aktuellen Personal ist Werder überbesetzt – zumal die Chancen extrem ungleich sind. Die Spielertypen sind durchaus interessant und eine ordentliche Mischung, z.B. auf der „Sechs“, wo Skripnik zwischen dem strategischen Grillitsch und dem lauf- und kampfstarken Bargfrede wählen kann – zumindest wenn Bargfrede mal fit ist und es auch bleibt. Petsos kenne ich als Spielertyp wenig, wenn Kleinheisler eine größere Rolle spielen würde als im letzten Halbjahr, würde mich das nicht wundern. Fritz und Junuzovic bleiben Eckpfeiler, anders als Fröde und von Haacke: Da glaube ich an Stammkräfte in der U23 oder Abgänge. (Update 30. Juni: von Haacke wurde tatsächlich verkauft) Und sollte sich Werder durchringen, den wechselwilligen Junuzovic noch gehen zu lassen, muss Baumann auch hier nochmal tätig werden. Juno wäre nicht mit Bordmitteln zu ersetzen, auch dann nicht, wenn Kapitän Fritz noch einmal eine Gala-Saison hinlegen oder sich ein Talent überraschend gut entwickeln würde. Sportlich wäre ein Verkauf schon heftig, dennoch muss Werder sich mit diesem Szenario beschäftigen.


Mittelfeld, Außenbahnen (6)

Fin Bartels (29 Jahre, Vertrag bis 2017)
Sambou Yatabare (27 Jahre, Vertrag bis 2019)
Florian Kainz (23 Jahre, Vertrag bis 2020)
Justin Eilers (28 Jahre, Vertrag bis 2019)
Izet Hajrovic (24 Jahre, Vertrag bis 2018)
Melvyn Lorenzen (21 Jahre, Vertrag bis 2017)

Situation: Gleich drei „Neue“ gibt es auf dieser taktischen Position im Vergleich zur Vorsaison, wobei Rückkehrer Hajrovic da mitgerechnet ist. Auch Thy, von mir unter Stürmer einsortiert, könnte hier noch eine Rolle spielen, ebenso Junuzovic, wenn er denn bleibt.

Einschätzung: Werder und die offensiven Außenbahnen, das war in den letzten Jahren keine Erfolgsgeschichte. Behält Skripnik sein in der Vorsaison praktiziertes 4-1-4-1-System bei, muss das anders werden. Werder braucht Tempo und Technik und individuelle Klasse. Dass Hajrovic da noch eine große Rolle spielt, glaube ich nicht, er ist und bleibt für mich ein Wechselkandidat – wenn es denn überhaupt eine Nachfrage gibt. Auch Lorenzen spielt in meinen Gedanken keine tragende Rolle, aber vielleicht hat Skripnik da ja ganz andere Ideen? Eine Ausleihe des Talents würde mich jedenfalls nicht überraschen. Bleibt noch ein Quartett, das sich für die zwei freien Plätze bewirbt: Bei Bartels weiß man, was man hat (einen in vielerlei Hinsicht guten Mann!), Yatabare hat zumindest die Hoffnung der Fans in der Rückrunde geweckt.Ihm ist etwas zuzutrauen, auch wenn ich irgendwie das Gefühl habe, dass Yatabare im Zentrum noch besser aufgehoben wäre. Bei Eilers darf man durchaus ein wenig träumen, so stark wie er in Liga drei aufgetreten ist. Und Kainz ist ja offenbar ein absoluter Wunschspieler des Trainerteams, dafür greift Werder mal etwas tiefer in die Tasche – ich bin gespannt, wie das funktioniert.


Stürmer (5)

Claudio Pizarro (37 Jahre, Vertrag bis 2017)
Anthony Ujah (25 Jahre, Vertrag bis 2019)
Aron Johannsson (25 Jahre, Vertrag bis 2019)
Lennart Thy (24 Jahre, Vertrag bis 2019)
Johannes Eggestein (18 Jahre, Vertrag bis 2019)

Situation: Fünf Profis zwischen 18 und 37 Jahren, darunter Stars und Talente – und gleich zwei neue Gesichter im Bremer Angriff.

Einschätzung: Pizarro ist gesetzt, wenn er fit ist und nicht auf einmal spielt wie ein normalsterblicher 37-Jähriger. Falls das doch passiert, hat Werder in Ujah einen sehr guten Ersatz für das 4-1-4-1-System. Sollte Skripnik irgendwie doch sein eigentlich sicher bevorzugtes 4-4-2-System auf die Kette kriegen, würde ich mich über den Doppelsturm Pizarro/Ujah sehr freuen – da wäre wohl mit einigem Spektakel zu rechnen. Johannsson lass ich in meiner Planung mal komplett außen vor, der ist weiterhin verletzt und daher nicht einplanbar, ganz schön bitter die Geschichte. Thy als Rückkehrer und Eggestein als „Mega-Talent“ könnten diese Lücke nutzen, und sich regelmäßiger in den Kader spielen, als man jetzt denken mag. Auch hier gilt: Nicht hupen, Autor träumt von der Werder-Torfabrik! Handlungsbedarf besteht laut Baumann im Angriff nicht mehr (so wurde auf eine Rückholaktion von Niclas Füllkrug verzichtet), eine Einschätzung die ich vor allem dann teile, wenn weiter im 4-1-4-1-System gespielt werden soll.  Und davon gehe ich mal aus.


Abgänge

Jannik Vestergaard (zu M’Gladbach, 12-14 Millionen €)
Felix Kroos (zu Union Berlin, 0,5 Millionen €)
Oliver Hüsing (zu Ferencvaros Budapest, 0,3 Millionen €)

Raif Husic (zu VfR Aalen, Ablöse unbekannt)
Levent Aycicek (Ausleihe zu 1860 München)
Marnon Busch (Ausleihe zu 1860 München)
Özkan Yildirim (ablösefrei)
Mateo Pavlovic (ablösefrei)
Papy Djilobodji (Leihende)
Levin Öztunali (Leihende)
Gerhard Tremmel (Leihende)

Einschätzung: Bis auf Vestergaard und Djilobodji sind alle Abgänge bereits mit Zugängen ersetzt, die meisten Abgängen sind ohnehin wenig überraschend und betreffen nicht das Grundgerüst des SV Werder Bremen. Bei Yildirim, den ich durchaus schätze, wird es sicher verschiedene Meinungen geben, ich finde die Lösung, ihn gehen zu lassen, schon in Ordnung – Härtefälle dieser Art wird es bei Werder vermehrt geben. Baumann sollte da keine Angst haben, Entscheidungen zu treffen. Denn sie zu vermeiden führt auch zu nichts und vergrößert nur den Kader. Die Liste wird mit Sicherheit noch anwachsen, ich rechne noch locker mit sieben bis acht Bremer Abgängen, bis dann Ende August (?) der Transfermarkt dicht macht.

Auslaufende Verträge (15)

Schon krass, wenn fast der halbe Kader nur bis zum Sommer unter Vertrag steht. Aber hey, ich seh’s mal positiv. Aktuell hat Werder so wenig unverzichtbare Spieler im Kader, da kann es auch eine Chance sein, wenn jeder Zweite um seine Zukunft kickt. Eigentlich gibt es nur drei Personalien aus dem 15er-Kreis, die Baumann mal zügig angehen sollte: Wiedwald, Bartels und Grillitsch. Wobei man bei Wiedwald auch argumentieren könnte, dass man nur verlängert, wenn er seine Leistung festigt oder steigert – ich glaube nämlich nicht, dass so wahnsinnig viele andere Bundesliga-Klubs schon Angebote für den Keeper vorbereitet haben. Eine Verlängerung mit Bartels wäre mir persönlich ein echtes Anliegen, bei Grillitsch ist es ja fast schon so, dass es für Baumann unmöglich wird. Kickt Flo nochmals so gut wie in der abgelaufenen Saison, ist er Werder Bremen endgültig entwachsen und ein ablösefreier Wechsel zu einem ambitionierten Verein eine logische Entwicklung. Das gilt es natürlich zu verhindern – wenn er denn wechselt, soll Bremen wenigstens noch ordenlich kassieren. Nimmt mal mal die Oldies Fritz und Pizarro als Sonderfälle raus, gilt für den Rest der auslaufenden Verträge: Baumann kann sich zurücklehen und genau hinschauen. Baumann als Bachelor: Für wen er eine Rose hat, kann er auch im Laufe de Rückrunde noch entscheiden.