Nouri, Werder, Mainz und immer wieder Augsburg

Jetzt hat also Alexander Nouri sein „Endspiel“ gewonnen und Werder Bremen erstmals in 2017 drei Punkte geholt. Ich atme durch, freue mich drüber – aber das waren schon merkwürdige Wochen zuletzt. Vier Niederlagen in Folge sind immer bitter und na klar, da kann man dann auch über den Trainer diskutieren, wenn man will. Ich bin nicht nah genug dran, um mich zur Trainerfrage nachhaltig äußern zu wollen, ich muss mit den Argumenten leben, die auf dem Markt sind. Ich habe vieles gelesen und (wohl auch) verstanden, so recht überzeugend fand ich das aber nicht.

Jetzt, nach dem 2:0-Sieg beim FSV Mainz 05, verstehe ich aber vieles auch nicht so recht. „Die Mannschaft hat es geschafft, ein ganzes Spiel lang kompakt zu verteidigen“, analysiert der Weser-Kurier den Bremer Dreier. Aber war das wirklich so? Hat Werder da jetzt am Samstag wirklich so viel anders gemacht als zuletzt in Augsburg, gegen Gladbach, den BVB oder die Bayern. Gab es eine starke Nouri-Reaktion, ein neues Werder?

Das Spiel nicht immer vom Ergebnis her erklären

Ich sage mal: Nein. Da muss man Nouri wohl gegen seine Fans verteidigen. Manches im Bremer Spiel war in den letzten Wochen sogar besser als gestern in Mainz, aber eben auch brotloser. Mainz hatte eine ganz normale Anzahl guter bis sehr guter Torchancen, mehr hatte der FC Augsburg auch nicht gegen Werder – doch die gewannen 3:2. Besser verteidigt hat Bremen insgesamt also nicht. Die Gründe für den Bremer Sieg sind wohl eher in dem Bereich zu suchen, der den Fußball letztlich ausmacht: Irgendwo hinter dem Komma, im Kleingedruckten. Alles andere hieße, ein Fußballspiel nur vom Ergebnis her zu erklären.

Denn mal im Ernst: Werder Bremen ist unter Alexander Nouri längst keine Wundertüte mehr. Das war so unter Viktor Skripnik, wo nach berauschenden Spektakel-Siegen regelmäßig desaströseste Einbrüche folgten. Jedes Würfelspiel war verlässlicher als der SVW. Nun aber bietet Werder konstant ähnliche Leistungen an. Keine krassen Ausrutscher nach unten, insgesamt Verbesserungen in fast allen Bereichen, aber eben keine gewaltigen Sprünge – die aber auch nicht zwingend zu erwarten sind in der Bundesliga.

So wenig liegt zwischen einem 2:0 und einem 2:3

Nouri hat gegen Mainz gemacht, was Nouri auch zuletzt gemacht hatte. Dieses Mal kamen ein paar Faktoren zu seinen Gunsten dazu: Eine frühe Führung, plötzliche effektive Standards, das nötige Glück im Spielverlauf und ein richtig starker Torwart Felix Wiedwald, der genau die Bälle parierte, die er gegen Augsburg noch durchließ. Das alles gab es zuletzt selten bis gar nicht. So wird dann aus einem 2:3 ein 2:0.

Jaa, Nouri hat auch umgebaut, Viererkette und Clemens Fritz wieder rein, das sind sicher auch Faktoren, aber umgebaut hatte er auch schon vorher immer mal – die Ergebnisse waren meist ordentlich, selten mal lag er krass daneben. Zur Erinnerung: Es wurde zuletzt kritisiert, Serge Gnabry sei in der Mitte verschenkt. Gegen Mainz spielte er wieder dort – und machte das nicht schlecht, ein Tor inklusive. Ich denke, insgesamt hat eher die Konstanz der Entwicklung seit November 2016 als der spontane Wechsel der Grundausrichtung den Ausschlag zum Erfolge gegeben.

Qualität, Probleme und Punkte

Die Spiele in Augsburg und Mainz bilden das aktuelle Werder-Leistungsspektrum ganz gut ab. Bremen kämpft und kickt halbwegs strukturiert, ist auf Augenhöhe unterwegs, hat sicher genug Qualität, um die Klasse zu halten und hat seinen Stil inzwischen gefunden. Das ist gut, aber eben keine Garantie gegen den Abstieg – oder für Punkte. Es gibt in jedem Spiel der Bremer etwas zu loben, aber auch etwas zu kritisieren. Gegen Mainz (und auch gegen Augsburg) war auffällig, dass Lamine Sané große Probleme hat, bullige Mittelstürmer zu verteidigen. Fast alle gegnerischen Torchancen hatten mit diesen Zweikämpfen zu tun. Dafür hat es Werder gegen Mainz auf den Außenbahnen deutlich besser gespielt als gegen Augsburg. So oder so: Es war keine kompakte Verteidigung über 90 Minuten, sondern ein normals Werder-Spiel mit dem nötigen Glück – Spiele mit Pech gab es auch schon reichlich in den letzten Wochen und Monaten.

Man liest es ja, wie mich der FC Augsburg verfolgt. Auch und ganz besonders beim Blick auf die Tabelle. Werder fehlen die gegen den FCA so unfassbar blöd verschenkten Punkte schmerzlich. Mit nun 22 Punkten stünde man vor Augsburg und hätte eine prima Situation im Abstiegskampf. Diese merkwürdige Nouri-Woche hätte es nie gegeben in Bremen. So aber bleibt es sehr angespannt, Werder fehlen ein paar Punkte, die Saison ist aber natürlich auch noch lang genug. Es wird am Ende darauf ankommen, ob Nouris neue Werder-Stabilität (im Team insgesamt) für Punkte reicht – und dafür müssen eben viele Kleinigkeiten stimmen. Also mehr vom Mainz-Spiel und weniger von Augsburg. Aber wie man das macht? Ich habe keine Ahnung.

P.S.: Eine „Summe von Details“ sieht auch Cedric Voigt in seiner wie immer lesenswerten Taktik-Analyse bei der Kreiszeitung als Ursache für den Werder-Sieg in Mainz.

 

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