3 Punkte: Europa-Traum, Europa-Realismus, Veljkovic

Meine 3 Punkte zu Werder Bremen, Mitte April

1) Europa-Traum

Mit dem gewonnenen Nordderby gegen den HSV ist das Thema Klassenerhalt für Werder erledigt (ich darf das heute schon sagen, die Verantwortlichen dürfen damit auch gerne noch warten) und das Thema Europa League drängt sich geradezu auf. Weil offenbar kein anderer will und die Teams rund um Werder in der relevanten Tabellenregion allesamt zu den formschwächeren Bundesligisten gezählt werden müssen. Ganz anders also als Bremen. Warum also nicht mal munter und mutig von Europa träumen? Nur weil ich hier vorm Tabellenrechner sitze, fällt noch kein Profi zwangsläufig in ein Formloch. Und ich träume ja auch immer mal wieder, von einer Klippe zu stürzen, ohne gleich daran zu sterben. Auch als Spieler oder Verantwortlicher ist das Träumen übrigens erlaubt, dieses „Bloß nicht an Europa denken!“ halte ich für ziemlichen Quatsch. Warum nicht mal groß denken? Solange man weiter konzentriert arbeitet und als Team derart gut funktioniert, darf man doch denken, woran man will. Ich glaube auch nicht, dass permanenter Überlebenskampf und die entsprechende Angst einen Fußballer dauerhaft beflügeln können. So manchen Spieler dürfte da eher der Ausblick auf das internationale Geschäft zu neuen Höhen anspornen. Das ist natürlich alles keine Patentlösung, aber dieses zwanghafte Vermeiden des Europa-Themas hat doch etwas sehr verkrampftes. Lass doch einfach laufen, Werder – läuft doch momentan ohnehin sehr viel richtig!

2) Europa-Realismus

Angesichts von nur noch zwei Punkten Rückstand auf Platz sechs ist das Thema Europa nun mal auf dem Markt und nicht mehr zu ignorieren. Aber merke: Träumen ist erlaubt, eine Erwartungshaltung nicht. Werder kann es nach Europa schaffen, hat aber nichts zu verlieren. Wer nach der aktuellen Saison als Werder-Fan ernsthaft enttäuscht und unzufrieden ist, soll mit vier Jahren Dutt-Fußball bestraft werden. Also mal zur Sache: Der tolle Lauf in der Rückrunde hat Werder nicht auf einen Europa-League-Platz gebracht, das Team hat noch immer (einen kleinen) Rückstand, muss also in den verbleibenden fünf Spielen mehr Punkte holen als die Konkurrenz. Und die ist zudem zahlreich, was es nicht einfacher macht. Das ist also eine Riesenaufgabe, doch hat das Bremer Restprogramm in dieser Hinsicht richtig Charme. Zunächst geht es zur komplett undankbaren und schweren Aufgabe nach Ingolstadt – gibt es dort keinen „Dreier“, hat sich das Thema Europa schon nahezu erledigt. Dann aber gibt es zwei direkte Duelle mit den Tabellennachbarn aus Berlin und Köln, da geht es dann um die „Big Points“, bevor zum Saisonausklang die Champions-League-Teams aus Hoffenheim und Dortmund warten. Mindestens neun, besser zehn Punkte müssen es wohl noch werden für Werder, will man am Ende tatsächlich in der Europa League landen. Ich halte das für enorm schwierig (in der Hinrunde holte Werder aus diesen Partien acht Punkte), selbst für ein derart selbstbewusstes Team mit einem so tollen Lauf. Aber es wäre lediglich eine Überraschung mehr in einer an Überraschungen ohnehin sehr reichen Bremer Saison.

3) Milos Veljkovic

Ich habe mich ja bereits an anderen Stellen als Fan von Milos Veljkovic geoutet, möchte das aber noch einmal wiederholen. Der junge Serbe ist für mich einer der am meisten unterschätzten Bremer Spieler der Saison, er leistet Woche für Woche sehr solide Arbeit und ist ein starker Grund dafür, warum Werder die Rolle als Schießbude der Liga inzwischen los ist. Um Veljkovic zu verstehen, sollte man nicht nur auf die Top-Aktionen der Spieler achten, sondern auch darauf, was sie alles nicht machen. Da ist Veljkovic sehr auffällig stark: Er macht kaum nennenswerte individuelle Fehler,  spielt (bis auf die ganz normalen menschlichen Ausnahmen) auf sehr solidem Niveau (in den Kicker-Noten ist er der zweitbeste Bremer Abwehrspieler) und entwickelt sich super. Das geht manchmal etwas unter angesichts der spektakulären Aktionen von Gnabry und Kruse oder der dominanten Auftritte eines Delaney. Veljkovic hat sich ein kleines Sonderlob verdient. Das bekommt er hiermit von mir. Weiter so, Milos!

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