3 Punkte: Europa-Sinn, Gesundheit, Serge Gnabry

Und nochmal drei Punkte zu Werder Bremen, weil es aktuell so viel zu schreiben gibt. Unsortiert wie immer.

1) Europa-Sinn

Zuletzt schrieb ich hier über Werders Europa-Träume und -Chancen, die Sinnfrage hatte ich dabei ausgeklammert. In den Debatten über die Bremer Ambitionen las ich zuletzt immer wieder, die Europa League „komme zu früh“ für das Team. Mich verwirrt das etwas, obwohl ich das verstehe und inhaltlich durchaus teile. Schon klar: Es gibt weitaus mehr negative als positive Beispiele für Teams, die mal am Rande ihrer Leistungsfähigkeit mit etwas Glück und der Gunst der Stunde in die Europa League gespült wurden. Die Doppelbelastung mit unattraktiven Donnerstagabendspielen in Belgien und der Ukraine und der wochenendlichen Bundesliga fordert dann meist ihren Tribut, der sportliche Erfolg bleibt aus, man kennt das ja alles. Abgesehen davon, dass man da jetzt sooo viel Geld auch nicht verdient und der Charme des Wettbewerbs mit der Live-Übertragung bei Sport1 schon gut eingeordnet ist. Und klar: Das kann natürlich auch Werder passieren, sollte es im restlichen Saisonverlauf soweit kommen. Aber was bitte ist denn die Alternative? Extra Spiele verlieren, um nicht nach Europa zu müssen? Ist das vielleicht der Grund für die Formkrisen von Köln über Frankfurt bis nach Berlin? Nein. Wer kann, soll sich für Europa qualifizieren – und dann das beste daraus machen. Einer muss den Job ja machen – und die Qualifikation sollte keine strategische Entscheidung sein. Angst vor der Doppelbelastung wäre das falsche Signal (wenn auch inhaltlich sicher nicht unbegründet). Nach Jahren der Enthaltsamkeit nehme ich jeden Werder-Erfolg dankend an. Die Konsequenzen auch (Lesetipp: Weser-Kurier über mögliche Europa-Auswirkungen).

2) Gesundheit

Ich spreche das Thema noch einmal an, weil es nach dem Nordderby-Sieg etwas abgesoffen ist. Es ist auch kein Bremer Thema, sondern ein sehr allgemeines, aber es kam bei Werder eben im Vorfeld des HSV-Spiels auf: Wenn Robert Bauer zehn Tage nach seiner Bänderverletzung (Außenbandriss) in Rekordzeit wieder auf dem Rasen steht, ist das mit Sicherheit nicht nur eine tolle Geschichte. Und sicherlich auch nicht konsequent vom Punkt der Nachhaltigkeit gedacht. Es gab dazu ja durchaus kritische Stimmen und Anmerkungen, die ich hier gerne nochmal unterstütze. Natürlich will jeder Profi so schnell wie möglich wieder spielen und natürlich wird die medizinische Betreuung immer besser, aber da gibt es auch Grenzen. Ich will auch gar nicht klüger schnacken als die medizinische Abteilung der Bremer, den konkreten Fall Bauer (oder dann bald Caldirola oder Delaney) kann ich auch gar nicht bewerten. Aber vielleicht sollten die, die jetzt dem „harten“ Bauer applaudieren, in Zukunft nicht mehr ernsthaft an Debatten um die zu hohe Belastung der Profis teilnehmen. Und vielleicht muss ein Verein einen Spieler mit seinem Tatendrang auch mal vor sich selber schützen. Wie auch immer. Man ist gut beraten, ein gesundes Maß zu finden. Mit der Betonung auf gesund.

3) Serge Gnabry

Dass Werder Bremen das Nordderby am 29. Spieltag gewinnt, konnte ich mir Ende 2016 schon irgendwie vorstellen. Dass es aber einen Sieg gibt, bei dem Serge Gnabry und Claudio Pizarro von der Ersatzbank aus mitjubeln, ist schon sehr erstaunlich. Und das spricht nicht gegen Gnabry und Pizarro, sondern für Werder Bremen. Das Team ist stark geworden, Gnabrys Rolle als Alleinunterhalter ist nicht mehr so gefragt wie noch in der Hinrunde. Das ist rundum positiv. Aber natürlich liegt das Thema auf der Hand: Was wird nun mit Gnabry? Wechselgerüchte gab es ja seit seiner Ankunft in Bremen, da wundert es wenig, dass nun vermehrt Stimmen laut werden, die den Nationalspieler im Sommer zu Geld machen wollen. Tenor: Werder braucht den nicht mehr, ist auch so stark genug. Ich sage mal: Vorsicht! Wenn es so läuft wie aktuell, mag das stimmen, aber es kommen auch leider wieder andere Zeiten. Es gibt nun wirklich keinen Grund, jetzt irgendwie an Gnabry rumzumeckern oder ihn gar abzuschreiben. Natürlich ist ein Sommer-Transfer immer ein Thema und wenn es so kommt, ist das auch okay. Und wenn nicht, hat Werder auch in der Saison 2017/18 einen Profi der Extraklasse, der dem Team mal den Arsch rettet, wenn es nötig ist. Notfalls auch mal als Joker – an derartige Luxusprobleme würde ich mich in Bremen gerne wieder gewöhnen. Schöne Grüße an Hugo Almeida!

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