Einfache Dinge und schwierige Entscheidungen

Mit neuem (Interims)Trainer und einem 2:1 gegen einen erstaunlich schwachen VfL Wolfsburg meldet sich Werder Bremen am 5. Spieltag also in der Bundesliga-Saison 2016/17 an. Dass der erste Erfolg erst in den Schlussminuten bzw. der Nachspielzeit zustande kam, ist dabei nebensächlich, da noch am Mittwoch ein möglicher Dreier gegen Mainz 05 (1:2) im selben Zeitraum verspielt wurde. So ist Fußball, würde Viktor Skripnik sagen, und damit hätte er mal Recht.

Nouri, zu Wochenbeginn als Skripnik-Nachfolger inthronisiert, tat genau das, was Interimstrainer eben so machen: Er nahm Einfluss auf das Team (wie auch Skripnik damals, als er Robin Dutt beerbte). Konkrete Maßnahmen von Nouri: Die Mannschaft starkreden, formschwache Spieler streichen, Talente reinschmeißen und vor allem die Abläufe vereinfachen. Erst gegen Mainz, nun nochmals verbessert gegen Wolfsburg ließ Nouri sein Werder-Team vor allem einfache Dinge tun. Möglichst konsequent verteidigen, diszipliniert und eher tief gestaffelt stehen, dann schnell umschalten und schauen, was nach vorne so geht. Und es ging durchaus einiges, ganz ohne Hexenwerk.

Der „Trainereffekt“ war bereits gegen Mainz erkennbar, gegen den VfL, der in Bremen sehr schwach auftrat, brachte er dann die ersten Punkte der Saison und eine Art emotionale Trendwende für Mannschaft, Verein und Stadt. Ob das nun reicht, damit Nouri das „Interims“ vor seinem Amt streichen darf? Dafür gibt es sicher Gründe, dagegen aber auch. Sollte man sich als Verein vom Trainereffekt leiten lassen, von den Emotionen im Weserstadion nach dem erlösenden Sieg gegen Wolfsburg? Oder muss eine Trainerentscheidung an anderen Kriterien gemessen werden? Und wenn ja, an welchen? Und hat Nouri diese anderen Kriterien mehr oder weniger als mögliche andere Kandidaten?

Ich kann alle Fragen getrost mit „keine Ahnung“ beantworten – und darf das auch gottseidank, denn ich bin ja kein Entscheider bei Werder Bremen. Gut so, denke ich mir da, denn ich wüsste es nicht, immer diese Entscheidungen, von denen dann sportlich wieder ein paar Jahre abhängen (mal abgesehen vom Glück [Wolfsburg] oder Pech [Mainz]). Man kann Frank Baumann und Co. da nur ein gutes Händchen und das nötige Glück wünschen. Ich halte mich jedenfalls inhaltlich aus den Trainerdebatten raus und mache lieber Alexander Nouri ein dickes Kompliment für seine Arbeit in den letzten sechs Tagen (ohne mich damit in der Trainerfrage zu positionieren). Diese Arbeit kann man bewerten, in Ergebnissen und Eindrücken. Und ich bewerte es sehr positiv. Für Werder Bremen war das ein großer Schritt nach vorne, nicht nur wegen der drei Punkte. Die Mannschaft hat gezeigt, dass trotz der vielen Ausfälle mit ihr zu rechnen ist – im Rahmen der Möglichkeiten, die Vereine wie Werder eben haben. Auf Augenhöhe mit acht bis zehn anderen Bundesligisten. Den Schritt hat Bremen nun, mit einigen Wochen Verspätung, gemacht.

Die Einzelkritik gegen Wolfsburg:

Drobny: Hielt, was zu halten war, was er aber auch halten musste, weil nix Unhaltbares dabei war. Klingt kompliziert, war es aber gar nicht. Eher ein ruhiger Abend. Note 3

Gebre Selassie: Sein mit Abstand bestes Saisonspiel. Den Satz lege ich mit jetzt auf StrgV, denn das gilt für jeden Bremer. Mich freut sein Siegtor sehr, ich mag Theo ja als Typen und als Spieler. Auch sonst eine ordentliche Partie mit erstaunlich viel Offensivdrang. Note 2,5

Veljkovic: Hat mir gut gefallen, auch wenn Wolfsburg ihn jetzt nicht sooo sehr gefordert hat. Schöne kurze Pässe im Spielaufbau, gutes Auge für das Spiel – um Längen besser als Diagne zuletzt. Note 3

Moisander: Sein Kopfball aus sechs Metern in den Bremer Nachthimmel in der Anfangsphase war recht peinlich, ansonten machte der Finne hinten aber einen souveränen Eindruck. Auch er war wie Nebenmann Veljkovic recht passicher im Aufbau, aber auch er hatte kaum mal Druck vom Gegner. Note 3,5

Bauer: Für sein Eigentor gibt es von weder Kritik nach Abzüge in der Note, das kann halt passieren im Fußball. Ansonsten ein solides Spiel auf links. Note 3,5

Grillitsch: So langsam kommt er wieder in Form – und das ist für das Werder-Spiel insgesamt Gold wert. Mit guten Szenen vorne und hinten, gerade im Spielverlauf immer mehr gute Pässe im Aufbau. Weiter so, bitte! Note 2,5

Fritz: Bärenstark im Zweikampf, enorm präsent auf dem Rasen. Leider gibt es ein Manko beim Kapitän: Zu oft folgen nach Ballgewinnen wieder Fehlpässe, zu oft trifft er in aussichtstreichen Situationen die falsche Entscheidung oder spielt einen ungenauen Pass. Heute gegen Wolfsburg auch wieder beobachtbar, aber am Ende nebensächlich. Note 3

Schmidt (eingewechselt für Fritz): Toll, wie Nouri die Youngster ins kalte Bundesliga-Wasser wirft. Und einige davon werden sich sicher freispielen. Seine Ecke führte zum 2:1-Siegtor, der Eckball davor war allerdings ganz schwach – aber so ist das nun mal mit den Talenten. Nicht zu benoten

Junuzovic: Ich bin ja Fan von Juno und glaube, dass Werder nur dann Erfolg haben wird, wenn Juno wieder in Topform kommt. Heute habe ich gesehen, dass es auch anders geht. Junuzovic war eher ein fleißiger und laufstarker Mitläufer, der sich in den Dienst der Mannschaft gestellt hat. Note 3,5

Hajrovic: Seit Nouri den untalentierten Bruder gegen das Original ausgetauscht hat, verstehe ich Hajrovic immer mehr. Ein Tempodribbler, der es gerne mal übertreibt, eigentlich nicht mein Spielertyp, ABER: Solange Werders Offensivstrukturen noch so überschaubar sind wie aktuell, muss es wohl oft über Eins-gegen-Eins-Duelle gehen. Und das ist Hajrovic derzeit eine gute Option, vor seinem Comeback ziehe ich jedenfalls den Hut, auch wenn gegen den VfL mehr schiefging als gelang. Note 3,5

Fröde (eingewechselt für Hajrovic): Durfte  das Siegtor noch auf dem Rasen miterleben. Nicht zu benoten

Gnabry: Überragender Autritt, einmal mehr. Der Junge ist bis oben hin voller Selbstvertrauen und traut sich alles zu – und davon gelingt auch noch sehr viel. Kurbelt an, passt, bringt Tempo und schließt auch noch selber ab. Ist aktuell DER Faktor in Bremens Offensive, schon jetzt nicht mehr wegzudenken. Note 2

Manneh: Ein sehr interessanter Spielertyp. Rieb sich auf, machte jede Menge Meter und war ein stets unangenehmer Gegenspieler für die VfL-Abwehrleute. Sehr ordentlicher Auftritt, noch etwas besser als zuletzt gegen Mainz. Ein Talent mit Perspektive. Note 3

Thy (eingewechselt für Manneh): Sein Hammer zum 1:1 leitete die Wende in der Schlussphase ein, es war sein erstes Bundesliga-Tor überhaupt. Bislang hinterließ Thy überhaupt keinen Eindruck auf mich, heute aber darf und muss er hier auch mal gelobt werden – und sei es nur für sein Tor. Note 3

 

 

Werder erlöst Viktor Skripnik

Nun also doch. Werder Bremen hat am Sonntag nach dem 1:4-Offenbarungseid bei Borussia Mönchengladbach die Leidenszeit von Trainer Viktor Skripnik und seinem Team beendet.

Man habe erkannt, dass blablabla, heißt es in der Pressemitteilung des Vereins. Im Grunde hat man lediglich erkannt, was man monatelang nicht sehen wollte. Wäre Werder mehr Verein als Familie, wäre allen Beteiligten diese unsägliche Phase wohl erspart geblieben.

Aber man muss die Kritik an Skripnik relativieren. Viktor Skripnik ist immer Viktor Skripnik geblieben. Werder hat bekommen, was es eingekauft hat. Im Sommer hätte er Werder um ein Haar in die Zweitklassigkeit geführt, ein Schnitt in der Sommerpause wäre logisch gewesen, aber nicht im Sinne des Vereins. Das ist ja alles längst bekannt, man vertraute Skripnik, verlängerte den Vertrag, ließ ihn einen Kader zusammenstellen und die Vorbereitung absolvieren.

Baumann und Bode massiv angezählt

Skripnik macht so weiter, wie man es aus der Vorsaison kannte. Aber um ihn herum wurde es immer obskurer. Frank Baumann, von Marco Bode als Ersatz für den Skripnik-Kritiker Thomas Eichin installiert, ließ sich nach dem Fehlstart sogar zu der (sorry für die Deutlichkeit) hirnverbrannten Aussage verleiten, Skripnik könne auch die nächsten acht Spiele verlieren und stünde dennoch nicht zur Diskussion. Eine Aussage wie ein Kündigungsgrund aus dem Lehrbuch. Wenn Soldatentreue bei Führungskräften die Vernunft ablöst, darf man da auch mal eingreifen. Dass Baumann wenige Stunde vor der Entlassung Skripniks noch ins TV-Mikro diktierte, man glaube an Skripnik, macht es nicht besser. Ein insgesamt peinliches Tauerspiel.

Noch mehr als Baumann ist aber nun Marco Bode angezählt. Der Vorsitzende des Aufsichtsrats war es, der Skripnik mit aller Macht im Amt gehalten hat. Bodes Alleingang hat Werder wichtige Monate gekostet und am Ende auch Skripnik nicht geholfen. Es gibt nur Verlierer bei Werder Bremen, ausnahmslos. Ein echtes Führungsdebakel.

Es bleiben nur Verlierer

Was bleibt? Ein Verein, der sich deutschlandweit lächerlich gemacht hat. Ein beschädigter (und sehr symphatischer) Ex-Trainer, der zweifelsohne die Werder-DNA hat, nun aber vielen Fans sehr negativ im Gedächtnis bleiben wird. Ein angezählter neuer Sportdirektor, der zwar behauptet, „alles im Griff“ zu haben, damit aber nur die Fans belustigt. Und ein „starker Mann“ im Hintergrund, der mit Vollgas in die Sackgasse gerast ist – trotz jeder Menge Warnsignale.

Und noch schlimmer: Werder hat es seit dem Last-Minute-Klassenerhalt im Mai geschafft, den Rückhalt der Fans zu verlieren – und das muss man in Bremen erst einmal hinkriegen. Die Mannschaft ist massiv verunsichert, hat keinerlei taktische Ausrichtung, beherrscht kaum Systeme und hat (auch wegen der vielen Verletzten) keine Abstimmung und keine Automatismen.

Jetzt soll Alexander Nouri übernehmen. Ihn in der aktuellen Situation als „Gewinner“ zu bezeichnen, kriege ich auch nicht hin. Sein Job ist alles andere als dankbar, es gibt sehr viele Handicaps im Kampf um den Klassenerhalt. Es gibt eben nur Verlierer.

Skripniks Taktik-Bluff und die Folgen

Werder Bremen bastelt weiter mit aller Kraft am Gesamtkunstwerk Bundesliga-Abstieg. Ein Werk, das schon einst von Thomas Schaaf und Klaus Allofs angelegt wurde und inzwischen diverse Handschriften trägt. Im Sommer wurde die Fertigstellung gerade noch so verschoben, nun wirkt der Anlauf aller Klubverantwortlichen aber so seriös wie nie zuvor.

Der Auftritt der Bremer heute in Mönchengladbach (1:4) war ein selten dagewesenes Ereignis und hinterließ selbst debakelerprobte „Sky“-Experten in der TV-Runde fassungslos. Ganz zu schweigen von den Fans im Stadion oder Leuten wie mir vor dem Fernseher. Was aber ist da eigentlich passiert?

Viktor Skripnik und sein Trainerteam hatten etwa probiert (was ihr gutes Recht ist). Und alles ging ganz höllisch schief, wie man es eigentlich nur als Kinofilmen kennt, die man dann Komödien nennt. Mit Ben Stiller als Clemens Fritz. Skripnik baute sein Team um, verpasste ihm eine neue Taktik – und war dann erster Augenzeuge der eigenen Beerdigung. Live und in Farbe.

Pressing ist gut – wenn man es kann

Werder war gegen Gladbach derart überfordert, dass man mit einem 0:3 nach 21 Minuten noch bestens bedient war. Dass die Gegentore nach Slapstick-Einlagen oder Fehler der allerschlimmsten Kategorie fielen, passte bestens ins Bild und keineswegs Zufall, sondern Ergebnis der komplett verfehlten Aufstellung und Taktik der Bremer. Man mochte kaum noch hinschauen.

Ich sage es mal so: Wenn ich kein Autofahren kann, würde ich mich nicht direkt im Stadtverkehr von Neudehli oder bei 200 km/h auf einer Autobahn ans Steuer setzen. Viktor Skripnik offenbar schon. Denn er verpasste seinem Team eine hochgradig riskate Verteidigungsvariante  mit frühem Pressing und einer extrem hoch stehenden Abwehr – dabei hat Werder schon mit recht risikolosen Abwehrvarianten größtmögliche Probleme. Und was passiert, wenn man das Kind, das nicht laufen kann, tanzen lässt, konnten die sicher sehr erstaunten Zuschauer im Borussia-Park erleben. Es wurde ein Schlachtfest.

Zusätzlich erschwerte Skripnik die Situation noch durch personelle Umstellungen: Der gelernte Außenverteidiger Robert Bauer musste auf die Doppelsechs rücken, neben Clemens Fritz, der ebenfalls kein „Sechser“ ist. Dafür musste Ulisses Garcia, der ewig keine Rolle mehr im Profiteam gespielt hat und in der Vorbereitung stets im zentralen Mittelfeld ran durfte, hinten links verteidigen. Auf einen echten Stürmer wurde gleich mal komplett verzichtet, dabei hatte Aron Johannsson als einer der wenigen Bremer beim 1:2 gegen Augsburg in der Vorwoche noch ordentlich gekickt.Für die vielen verletzten Stammspieler kann das Trainerteam nichts. Für den Umgang mit dem Rest des Teams aber schon.

Eine Baustelle mehr

Und weil Werder offenbar aus Skripniks Sicht noch nicht genug Baustellen hat, gab es noch einen Torwartwechsel. Felix Wiedwald, in dieser Saison bislang nicht überzeugend (und in der letzten insgesamt durchschnittlich) musste auf die Bank und Platz machen für Neuzugang Jaroslaw Drobny. Das ist Skripniks gutes Recht als Trainer, diese Maßnahme zu treffen – aber er muss auch wissen, was er damit auslöst. Für das Spiel war die Personalie freilich komplett egal, Drobny hielt ein paar Bälle wie Wiedwald, kassierte ählich viele Gegentore wie Wiedwald und verschuldete einen Elfmeter, den auch Wiedwald schon mal so verursacht hätte. Und jetzt hat Werder immerhin zwei angezählte Torhüter – und ist keinen Schritt weiter.

Aber zurück zur Bremer Taktik in Gladbach – oder dem, was davon zu sehen war. Sie war im Grunde das, was man im Pokern einen Bluff nennt. Man tut mal so, als sei man zu etwas in der Lage und hofft, dass es irgendwie nicht auffällt. Wenn’s zum Showdown kommt, ist man dann geradezu grotest bloßgestellt. So war es bei Werder. Nur leider war Gladbach davon nicht beeindruckt. Das Bremer „Pressing“ ging dermaßen nach hinten los, weil keine Abstimmung passte und weil kaum ein Spieler individuell ohne grobe Fehler auskam. So lief Werder mutig und unsortiert an und ließ Gladbach nahezu kampflos immer wieder blank vor dem eigenen Tor auftauchen. Selbst einfachste Befreiungsschläge der Gladbacher wurde Dank der Bremer Abwehrleistung zu tödlichen Pässen, wie beim 0:2.

Skripniks Idee, nach den desolaten Defensivleistungen der aktuellen (und weitgehend auch der letzten) Saison, nun noch mehr Risiko zu gehen, mag sich irgendwem erschließen, bei mir ist das nicht der Fall. Die erneut umformierte Defensive war noch fahriger und unsicherer als zuletzt – und das war für mich eigentlich kaum vorstellbar. Aber klar, woher sollen die Spieler Selbstvertrauen haben angesichts der Ergebnisse und Gegentore? Oder Automatismen angesichts der permanenten Umstellungen? Man kann in solchen Situationen mehr Stabilität oder mehr Risiko spielen, das entscheidet der Trainer. Am Ergebnis der Entscheidung muss er sich dann aber auch messen lassen.

Bremen, Nordkorea

Nach 21 Minuten stand es also 0:3, der „Käse war gegessen“, wie Skripnik anschließend sagte. Eine Reaktion von der Seitenlinie blieb aber aus. Weder wurde das Bremer Harakiri taktisch korrigiert (z.B. durch tiefere Stafflung oder eine Umstellung), noch wurde personell auf die Überforderung von Spielern wie Fallou Diagne, Theo Gebre Selassie oder Sambou Yatabare reagiert. Weitere 25 Minuten ließ Skripnik seine Mannschaften auf dem Rasen bluten, erst in der Pause erfolgten dann die nötigen Umstellungen. Mit „Erfolg“, wie Halbzeit zwei zeigte. Werder machte alles anders und vieles besser, auch wenn Gladbach sicher drei Gänge zurückgeschaltet hatte. Und das muss auch klar sein: Halbzeit zwei taugt nicht dazu, Werder für „eine Reaktion“ zu loben. Sie zeigt nur, wie falsch alles in Halbzeit eins war. Und dass Skripnik das genau so erkannt hat. Warum er das so spät korrigierte, ist sein Geheimnis.

Es gibt keine zwei Meinungen zu den Vorfällen in Gladbach. Selbst Frank Baumann musste das totale Taktiversagen nach dem Spiel einräumen, wenn auch erst auf mehrfache Nachfragen von „Sky“-Experte Christoph Metzelder, der sichtliche fassungslos die Fehler in der Bremer Taktik analysierte. Zuletzt hatte Baumann nach der Augsburg-Pleite noch verkündet, man habe „alles im Griff“. Zu einem ähnlichen rhetorischen Glanzlicht brachte es der sehr geschockt wirkende Sportchef dieses Mal nicht. Aus Gründen.

In Bremen überleben Trainer ja so manche Krise, das gilt besonders für Viktor Skripnik, der ja bekanntlich unter dem Schutz der mächtigen Werderaner Baumann und Aufsichtsratschef Marko Bode steht. Aber das Debakel von Mönchengladbach kann eigentlich kein Trainer überleben. Nicht ohne Superkräfte und nicht außerhalb von Nordkorea. Mal sehen, wo sich Werder da selbst verortet.

1:2 gegen den FCA: Werder in der Endlosschleife

Werder Bremen hat verloren. Nix neues, das gilt ja bisher für alle Pflichtspiele der Saison 2016/17, egal ob im Pokal beim Drittligisten, zum Ligastart bei den Über-Bayern oder nun eben im Weserstadion gegen den FC Augsburg. Verdient waren am Ende alle drei Pleiten, auch die bisher bitterste gegen den FCA.

Augsburg war insgesamt einfach das bessere Team in einem Bundesligaspiel, das mit der Note 4 ganz gut bedient war. Der FCA wirkte taktisch besser, war nach vorne gefährlicher und stand hinten sicherer. Bei Werder wurde es eigentlich nur über Serge Gnabry gefährlich, der ein sehr anständiges Debüt zeigte. Ebenfalls ein leichtes Lob an einem schlimmen Tag geht raus an Aron Johannsson, der das ganz vorne ordentlich machte (und noch einen Elfmeter verwandelte).

Schlimm bei Werder: Eine Führung, egal wie glücklich sie auch zustande kommt, gibt dem Team keinerlei Auftrieb oder gar Sicherheit, man wartet als Fan anschließend lediglich auf den zwangsläufigen Ausgleichstreffer. Der fällt, wenn dem Gegner mal spielerisch nichts einfällt, einfach nach Standardsituationen, so auch gegen den FCA. Es war mal wieder eine Ecke, die die Bremer nicht verteidigen konnte. Genau dies hatten Viktor Skripnik und sein Trainerteam in einer messerscharfen Analyse als große Schwäche der Vorsaison ausgemacht, in der Vorbereitung sollte dran gearbeitet werden. Sehen Sie selbst, meine Damen und Herren, wie es heute aussschaut in Sachen Standards.

Ohnehin wirkt Werder defensiv keinen Deut besser als im Vorjahr. Das mag man nun mit  neuem Personal erklären (Dreiviertel der Viererkette sind ausgetauscht worden), meine Kritik richtet sich aber keineswegs nur auf die Abwehrreihe. Insgesamt stimmt die Abstimmung nicht, die Absicherung auch nicht, das wirkt alles wie hangebastelt und hingewurschtelt. Dass große Teile der Saisonvorbereitung in diesen Bereich investiert wurden, ist nicht erkennbar.

Offensiv war das gegen den FCA auch nicht so toll, zu oft fehlten Ideen und Passgenauigkeit. Extrem auffällig war hier Clemens Fritz, der den Ballbesitz sehr oft unfreiwillig beendete und im Spiel nach vorne komplett effektlos blieb – zumindest aus Bremer Sicht. Auch Florian Grillitsch, von mir bekanntlich sehr geschätzt, wirkt aktuell formschwach und unsortiert. Das kann sich Werder aktuell nicht leisten. Es fehlt vor allem an einem starken Spieler in der Zentrale. Es fehlen die Alternativen.

Aus dem Bremer Offenbarungseid mag nun jeder selbst seine Schlüsse ziehen. Hat das Team nicht gekämpft, dem Trainerteam nicht zugehört? Hat der Coach das verbockt, oder der Torwart oder der Schiedsrichter? Die Antworten sind so egal wie das Eckball-Verteidigen für Werder – es geht ohnehin weiter. Mit dem Trainerstab, mit dem Personal, mit den Problemen. Hinein in eine englische Woche mit Gladbach, Mainz und Wolfsburg. Entscheiden Sie selbst, wie Sie das finden. Werder Bremen 2016, das wirkt für mich wie das Werder Bremen der letzten Jahre in der Endlosschleife. Das Murmeltier lässt grüßen.

Die Einzelkritik:

Wiedwald: Ach was weiß ich? Ist ein Torwart schuld, wenn er einen Freistoß genau ins Torwarteck bekommt? Ja, wahrscheinlich schon. Note 4

Gebre Selassie: Mal gut, mal schlecht in der Verteidigung. Und genau das reicht eben nicht, um drei Punkte zu holen. Note 4,5

Sané: Erneut ein schwacher Auftritt. Lässige Pässe, unnötige Foulspiele, ich erkenne da keinerlei Souveränität in den Aktionen des Senegalesen. Note 5

Caldirola: Bitter für Luca, er musste kurz vor Schluss verletzt raus. Und das sah ganz schlimm aus, nach eine ganz langen Pause. Das wäre sehr schade, denn Caldirola war für mich der beste Mann in Bremens Viererkette. Das war vielleicht nicht so schwer, aber er hat’s eben ordentlich gemacht. Gute Besserung. Note 3,5

Bauer: Ganz, ganz schwache erste Halbzeit, da kam er immer zu spät und ließ sich zu oft ausspielen. Dann etwas verbessert, am Ende blieb aber der schwache Eindruck. Note 5,5

Grillitsch: Weder ordnen, noch zweikampfstark, noch offensivstark – leider ein ganz blasser Auftritt der Bremer „Sechs“. Er kann es viel besser – und nur wenn er es besser macht, wird auch Werder besser auftreten. Note 5

Bartels: War kaum im Spiel, sehr unauffällig, insgesamt schwach. Note 5

Fritz: Man mag das für kämpferisch halten, was der Kapitän da macht, ich halte es momentan einfach für fußballerisch unzureichend. Viele Fehlpässe und Ungenauigkeiten, dazu kaum Dynamik und null Gefahr. Note 5

Junuzovic: Holte den Elfmeter gekonnt raus, war aber ansonsten sehr unauffällig. Erstaunlich, dass ein so wichtiger und guter Spieler so wenig eingebunden ist, dass Bälle und Verantwortung in Krisensituationen (und davon gab es viele) nicht bei ihm landen. Mitläufer statt Leistungsträger, wirklich bitter zu sehen. Note 4,5

Gnabry: Sehr ordentliches Debüt auf der Außenbahn. Mit seinen Dribblings leitete er immer wieder gute Szenen ein, auch wenn nich jede Aktion gelang. Ein Werder-Spieler mit Selbstvertrauen – das ist derart selten, das muss man ja schon honorieren. Note 3

Johannsson: Ich halte ja recht vom US-Isländer und wurde in dieser Sicht gegen den FCA halbwegs bestätigt. Gute Aktionen als einzige Spitze, dazu ein souverän verwandelter Elfmeter. Wenn ich mir vorstelle, Johannsson wäre Mittelstürmer in einem spielstarken Team… aber Schluss damit, er spielt bei Werder, aber war heute troztdem einer der Besten. Note 3,5

Hajrovic (eingewechselt): Kam für den müden Johannsson, spielte wie ein sehr müder Johannsson. Dribbelte einmal den Ball ins Seitenaus, weitere Aktionen sind mir nicht in Erinnerung geblieben. Nicht zu benoten

Thy (eingewechselt): Dass er den weitgehend überforderten Bauer erlöste, war seine beste Aktion. Nicht zu benoten

Petsos (eingewechselt): Hallo Thanos! Jetzt weiß ich wenigstens, dass es dich wirklich gibt. Nicht zu benoten

Transferbilanz: Baumann legt gut vor

31. August, das Transferfenster der Bundesliga ist geschlossen, der Kader von Werder Bremen steht also. 17 Neuzugänge hat es im Sommer gegeben, 15 Spieler haben den Klub verlassen, wurden verkauft oder verliehen. Jede Menge Bewegung also.

Und vorweg: Frank Baumann, der neue Mann in Sachen Kader-Puzzle, hat das gut gemacht. Da wurde Geld eingenommen und gleich wieder investiert. Vor allem im Bereich der Zugänge hat er mich (und wohl auch viele andere Werder-Fans) absolut überrascht. Da wurden schnell Lösungen gefunden (z.B. in der zunächst vakanten Innenverteidigung), die Zugänge haben ein gutes Profil, das macht auf den ersten Blick alles Sinn. Und Max Kruse gab’s noch obendrauf, ebenso wie am Deadline-Day Serge Gnabry. Wie auch immer diese Deals gelaufen sind, mir ist das im Grunde egal, hauptsache die Spieler kicken jetzt in Bremen und können zumindest theoretisch Verstärkungen sein. Wenn sie denn nicht gleich verletzt ausfallen.

In Sachen Abgänge hatte Baumann eigentlich Anfang August verkündet, den Kader deutlich verkleinern zu wollen. Nun ist er eher gewachsen im Vergleich zur Vorsaison. Das war sicher anders geplant, aber kein Vorwurf von mir an Baumann. Verkaufen ist eben schwierig, wenn es für die Spieler keinen passenden Markt gibt. Raphael Wolf und Izet Hajrovic sind sicher die prominentesten und bestverdienenden Beispiele in Sachen Ladenhüter. Aber auch Leute wie Milos Veljkovic, Ulisses Garcia oder Melvyn Lorenzen hatten während der Saisonvorbereitung sicher ganz andere Ambitionen, als dauerhaft das U23-Team in der 3. Liga zu verstärken (oder sogar nur zu ergänzen, wie bei Lorenzen).Und Werder hatte sich auch andere Hoffnungen – und Pläne.

Ich empfinde einen Kader von 36 Mann als viel zu groß für einen Bundesligisten, auf den nur noch 33 Pflichtspiele warten. Aber ich sage auch, dass der zu große Kader am Ende nicht entscheiden wird über Klassenerhalt oder Abstieg. Da gibt es härtere Faktoren. Ich hatte mich lediglich auf eine „ordnende Hand“ von Baumann gefreut und hätte es befürwortet, die Mannschaft klarer zu sortieren. Ich glaube, für Talentförderung ist es effektiver, wenigen Talenten mehr Chancen zu geben, als die ohnehin knappen Einsatzzeiten (Werder hat ja nichts zu verschenken) auf sehr viele potentielle Kandidaten zu verteilen.

Aber gut, das ist nun nicht passiert, wahrscheinlich aus Gründen. Die vielen Verletzungen dürften da eine Rolle gespielt haben, aber auch an der ein oder anderen Stelle ein fehlendes Angebot (oder der Wille des Spielers, sich auf ein solches einzulassen). Ganz normales Bundesliga-Business.

Der Werder-Kader ist trotz der namhaften Abgänge von Anthony Ujah und Jannik Vesteraard nicht schlechter bestückt als im Vorjahr, auch wenn ich nach wie vor Defizite in der Kategorie der „strategischen“ Spieler in der defensiven und offensiven Mittelfeld-Zentrale sehe. Dennoch lässt der Personal die ein oder andere Variante zu, ich denke da durchaus an Dreierkette oder eine neue Mischung im Mittelfeld. Frank Baumann hat jedenfalls ordentlich vorgelegt, wesentlich mehr kann man von einem Klub der Kragenweite Werder Bremen nicht erwarten. Das ist mal locker Note 2 in Transferkunde. Alles weitere ist nun Aufgabe des Trainers. Aber das ist wieder eine ganz andere Geschichte.

Die schlimmste Vorbereitung aller Zeiten

Was war das bitte für eine beschissene Vorbereitung von Werder Bremen? Mal ehrlich. Die Leistungen des Teams waren trist und langweilig, die Zeit verging schleppend – einzig Frank Baumann mit seiner durchaus gekonnten Einkaufspolitik konnte für ein bisschen Frohsinn bei Werder Bremen sorgen. Aber das Gefühl blieb stets: Je mehr Baumann in seinem Büro zauberte, um so mehr ging auf das praktischen Ebene schief.

Allein die Verletzungen! Justin Eilers, Philipp Bargfrede, Aron Johannsson als Dauerpatienten, Stammkräfte wie Flo Grillitsch und Santi Garcia auch mehr verletzt als fit. Dazu potentielle Säulen wie Niklas Moisander und Lamine Sane mit großem Rückstand – und schließlich meldeten sich auch noch die Stars Claudio Pizarro und Max Kruse ab. Beide. Das ist für Werder dann die Krönung der ganzen Vorbereitungs-Tortur.

Und dann die Form! Hat sich irgendwer aufgedrängt bei Werder in irgendeinem Vorbereitungsspiel? Ich denke nicht. Die Neuzugänge brauchen allesamt noch Zeit, von Florian Kainz über Moisander und Sane bis zu Lennart Thy. Und Thanos Petsos spielt irgendwie auch noch keine Rolle. Das ist alles nicht so schlimm, ich geben denen allesamt Zeit, aber ich hätte mich auch gefreut, wenn zumindest mal einer (oder zwei) aus der Gruppe der Neuen gleich mal eingeschlagen wären. Positive Überraschungen sind bei Werder ja nicht verboten, auch wenn man das manchmal durchaus denken könnte.

Und die Taktik! Skripnik verwies angesichts der tristen Testkicks stets darauf, man übe gerade Defensivstrukturen ein. Zu sehen war davon in Lotte und München gar nichts. Auch die Standardschwäche, die der Werder-Trainer in der Vorsaison nie in den Griff bekam, wurde mit in die neue Spielzeit gerettet. Die Frage „Was haben die eigentlich in der Vorbereitung trainiert?“ ist natürlich total populistisch, aber mir fallen zunehmend weniger Argumente ein, die als solide Antworten durchgehen. Sehe ich irgendwo Fortschritte, eine Handschrift, eine Entwicklung? Nö. Feels like freier Fall.

Aber erst der Saisonstart! Verloren in Lotte, Arsch voll in München. Peinlich, schlimm, etc. Finde ich auch, finde ich nicht. Im Pokal hätte man durchaus mal weiterkommen dürfen (oder sich beim Ausscheiden zumindest nicht in allen verfügbaren Kategorien blamieren müssen), deutlich mehr ist aber nicht passiert. Auch wenns weh tat. Werders Saison, so sage und schreibe ich seit Wochen, beginnt mit dem Heimspiel gegen den FC Augsburg. Bis dahin beiße ich die Zähne zusammen, anschließend kann ich durchatmen: Die beschissene Vorbereitung ist endgültig vorbei. Dass die Saison dann deutlich besser wird, kann ich nur hoffen – dran zu glauben ist gerade nicht drin.

Skripnik wackelt, Werder fällt

Erstes Spiel, schon Scheiße.

Etwas mehr als dieses prägnante Kurzfazit soll es dann aber schon sein an dieser Stelle zu Werder Bremens Blamage in der ersten Runde des DFB-Pokal beim Drittliga-Aufsteiger Sportfreunde Lotte (1:2).

Keine Frage, die Niederlage ist total verdient und fiel sogar noch sehr knapp aus. Werder war von Beginn an hintendran, machte so ziemlich alles falsch und änderte auch während der gruseligen 90 Minuten nichts am not-running System. Es ist zwar immer eine sehr leichte Sache, den Trainer für eine solche Pleite in die Schuld zu nehmen, für mich war das heute aber leider eine Skripnik-Niederlage.

Seine Idee, taktisch auf ein 4-2-3-1 zu setzen, gibt nicht auf. Denn auf der Doppelsechs spielten in Clemens Fritz und Zlatko Junuzovic zwei Spieler, die beide keine Sechser sind – und so sah das auch aus. Und vorne drin spielte eigentlich niemand. Lennart Thy sollte den verletzten Claudio Pizarro ersetzen, fand aber zu keinem Zeitpunkt statt, ähnlich wie der dann später für ihn eingewechselte Johannes Eggestein.

Skripnik ließ in der Saisonvorbereitung ein aus der Vorsaison gewohntes 4-1-4-1-System spielen, bis Max Kruse verpflichtet wurde. Verständlicherweise baute er dann um, damit die Stars Kruse und Pizarro gemeinsam ins System passen. Nun, wo Pizarro aber verletzt fehlt, wäre auch eine Rückkehr zum bekannten 4-1-4-1-System möglich gewesen, zumal in Florian Grillitsch (wenn auch zuletzt angeschlagen) und Thanos Petsos gleich zwei Sechser im Kader standen. Skripnik riskierte das 4-2-3-1 und den Einsatz des in der Vorbereitung schwachen Thy. Das Ergebnis ist bekannt.

Während ganz vorne also nichts passierte, ging hinten jede Menge schief. Abstimmungsprobleme in der komplett neu formierten Viererkette waren ja zu erwarten und sind für mich auch gar nicht der große Kritikpunkt (auch wenn Niklas Moisander und Lamine Sane doch etwas viele Unsicherheiten offenbarten), das ist bei Neuzugängen eher normal. Um so erstaunlicher aber, dass Skripnik das noch wackelige Abwehrkonstrukt nicht mit einem absichernden Sechser verstärkte, um für mehr Stabilität und Sicherheit zu sorgen. Dass auch im Aufbauspiel die ordnende Hand eines zentralen Sechsers sichtbar fehlte, kommt noch hinzu.

Eigentlich lief vom Anpfiff weg alles gegen Werder. Nach zwei Minuten fast schon eine Notbremse von Fritz, nach acht Minuten das erste Gegentor – wieder mal nach einer Standardsituation. Was in der Vorsaison bereits als großer Schwachpunkt erkannt wurde, war auch gegen Lotte auffällig. Eigentlich jede Ecke des Gegner wurde zur Torchance, da stimmte nichts in Bremens Zuordung und Raumaufteilung im Strafraum. Trotz der langen Vorbereitung bleibt der Schwachpunkt zum Pflichtspielstart eklatant – eigentlich wollte Skripnik diese Baustelle angehen.

Erstaunlich auch, dass Skripnik trotz der sichtbaren Probleme – man könnte auch von Überforderung sprechen – seines Teams so wenig von außen coachte. Der komplett indiskutable Sambou Yatabare durfte eine Stunde lang auf dem Rasen bleiben, seine Auswechslung wäre schon nach 30 Minuten angebracht gewesen. Und auch am System änderte der Werder-Trainer nichts, wohl in der Hoffnung, sein Plan würde noch irgendwie aufgehen. Ging er aber nicht. Stattdessen verloren die Spieler reihenweise die Nerven. Fritz hätte fast mit Rot vom Feld gemusst, das holte dann der eigentlich so besonnene Fin Bartels nach – und Moisander hatte ebenfalls großes Glück, nicht auch noch runter zu müssen. So viel Frust nach 70 Minuten Fußball, das verheißt nichts Gutes für das Bremer Team.

Ein bitterer Tag für Werder Bremen, ein ganz bitterer ohne Zweifel. Skripnik bleibt damit angezählt, der Druck wächst weiter. Es bleibt spannend zu sehen, wie das Trainerteam mit der Situation umgeht und welche Spieler womöglich Lösungsmöglichkeiten anbieten. Ich würde Skripnik und Co. einen Befreiungsschlag sehr gönnen, bin aber nach dem Auftritt in Lotte noch etwas skeptischer als zuvor.

Wenn ich irgendwas Positives zum Spiel schreiben müsste, wäre es: Das Zusammenspiel offensiv zwischen Jununoziv und Kruse war immer mal wieder ansehnlich, die beiden passen fußballerisch recht gut zusammen. Allerdings sollte Junuzovic dazu in einer offensiveren Rolle agieren als gegen Lotte. Ich gehe aber mal davon aus, dass die Idee einer Doppelsechs mit Fritz und Juno nach dem Lotte-Debakel ohnehin auf dem Prüfstand steht.

Werder in der Einzelkritik:

Wiedwald: War völlig egal für dieses Spiel, machte eigentlich keine großen Fehler, hielt was zu halten war. Note 3

Gebre Selassie: Wirkte müde, träge, uninspiriert – was man aber über nahezu alle Bremer sagen kann. Note 5

Sane: Ganz schwacher Auftritt, kam beim 0:1 zu spät, strahlte nie Sicherheit aus und hatte riesige Probleme. Note 5,5

Moisander: Schlimmer Fehler gleich zu Beginn, es folgten weitere Unsicherheiten und am Ende eine Aktion, die man durchaus auch als Tätlichkeit auslegen kann. Ganz gruseliger Gesamtauftritt: Note 6

Sternberg: Ich schreibe immer wieder, dass Sternberg eben wie Sternberg spielt, das gilt auch heute wieder. Teilweise hinten desolat, dann aber mal mit mutigen Aktionen nach vorne. Immerhin ein Tor vorbereitet. Note 4,5

Fritz: Keine Ahnung, wann ich den Kapitän zuletzt so desolat gesehen habe. Bekam im Mittelfeld gar nichts in den Griff, musste dauernd foulen und bettelte am Ende fast um seinen Platzverweise. Weil Skripnik ihn auswechselte, blieb ihm zumindest das erspart. Note 6

Grillitsch (eingwechselt): Kam viel zu späte für Fritz, war dann nicht mehr zu benoten. Besonders viel gelungen ist ihm aber auch nicht.

Junuzovic: Tor geköpft, Einsatz gezeigt – aber auf seiner Position insgesamt eine Fehlbesetzung. Wie Fritz sorgte auch er nie für Ordnung im Kontrolle im Mittelfeld. Note 4

Yatabare: Kullertorschuss nach fünf Minuten, dazu Flanken hinters Tor und zu viele stumpfe Fouls in Zweikämpfen. Ein ganz schwacher Auftritt, dem auch das nötige Tempo fehlte. Note 6

Kainz (eingewechselt): Kam für Yatabare, machte seine Sache aber kaum besser. Technische Fehler, kaum Aktionen – der Joker blieb wirkungslos. Note 5

Bartels: Wollte mit dem Kopf durch die Wand, kam aber kaum mal durch mit seinen Harakiri-Offensivaktionen. Ließ sich dann auch noch zu einem Schubser mit Plaztzverweis provozieren. Danke für gar nichts, Fin. Note 6

Kruse: Als Mann fürs Kreative mit passablen Ansätzen, man hat gesehen, dass Kruse kicken kann, Übersicht hat und Ideen entwickelt. Tauchte aber immer mal wieder ab, insgesamt auch nicht überzeugen. Note 4

Thy: Man sah ihn auf dem Aufstellungsbogen. Note 6

J. Eggestein: Als er für Thy ins Spiel kam, hatte Werder eigentlich das Offensivspiel bereits eingestellt. Kein Vorwurf an das Talent, dass die Partie an ihm weitgehend vorbeilief. Nicht zu benoten